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Andreas Wegner
/Stephan Weitzel
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Januar

Im Januar 2007 präsentierte Hannah Elisabeth Gritz eine surreale Installation zum Thema „Weltschmerz des Großstädters” in der Galerie35 in Friedrichshain. Zu sehen gab es einen fünfminütigen Kurzfilm: unwirklich sich ineinander verwebende Bilder, sprachlich unterlegt mit autobiografischen Notizen aus Henry Millers Zeit in New York, Fotos und Filmstills, sowie die aufwendig gestalteten Objekte aus der Filmkulisse - eine erlebbare, surreale Raumerfahrung, eine poetische Welt skurriler Stimmungen, irrationaler Muster und dissonanter Farbklänge, eine enigmatische Irritation in der Wahrnehmung von Raum und Zeit.
Kontakt: melanzani@gmx.de
Februar

Andrea Knobloch untersucht mit ihrer Arbeit die Position noch vorhandener Reste von „Natur” und ihre Vernutzung im Zusammenhang wirtschaftlicher Interessen der Kneipenszene der Simon-Dach-Straße. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden zum Ausgangspunkt eines überlagernden Denkmodells: der Mikrolandschaften. Mit den Mitteln der Zeichnung und einer temporären Architektur wird im Galerieraum versuchsweise eine Weiterentwicklung dieses Landschaftsformats ausprobiert und zur Realisierung vorgeschlagen.
Kontakt: knobloch@andreaknobloch.de
März


Von nun an brauchen Sie keine Angst mehr zu haben, von Unbekannten überwacht oder gefilmt zu werden. Denn ab jetzt gibt es I-R.A.S.C.
I-R.A.S.C. ist eine Infrarot-Antiüberwachungskamera, ein Gerät zum selber basteln, mit dem Frau/Mann sich vor Infrarotüberwachungskameras schützen kann.
Kontakt: mail@galerie35.de
April

Die Ausstellung zeigte eine Auswahl von Werken, die der Künstler in deutschen oder anderen Kontexten in direkter und anspielender Auseinandersetzung mit der deutschen Identität geschaffen hat, darunter auch neueste Arbeiten. Zeichnung, Skulptur, Wandinstallation sowie Texte deklinieren - teils ikonoklastisch - Versuche, der immer noch offen scheinenden Frage kritische, aber geläuterte Horizonte gegenüber zu setzen.
Nach über 17 Jahren im Ausland, haupsächlich in Paris, aber auch in Marseille, London, Norwich, Irland, Kuba und Indien, lebt und arbeitet Stephan Weitzel seit Jahresanfang wieder in Deutschland (Berlin). Vom 6. bis zum 29. April konnten Interessierte den Künstle in der Galerie antreffen, um ihm vor laufender Kamera – oder auch ohne – ihre eigenste Deutschlandgeschichte zu erzählen.
Kontakt: stephan.weitzel@freesbee.fr
Peter Wächtler und Andreas Wegner
CONCERT
4.– 6. Mai

Innerhalb des Projektes „Concert” fanden nicht genehmigte Konzerte in Einkaufzentren statt. Die kurzen Konzerte (Gitarre, Gesang, Beatbox, Akkuverstärker) wurden mit Plakaten und Einladungskarten angekündigt, und meistens von den Sicherheitskräften der Passagen unterbrochen. Die Konzerte wurden dann vor den Einkaufspassagen fortgesetzt.
Die Texte unserer Musik bezogen sich auf den jeweiligen Auftrittsort. Die Auftrittsreihe war als eine Untersuchung der Beziehungen zwischen Kunde, Center, Security und Musik angelegt. Die musikalische Arbeit ist in einer CD mit acht Songs zusammengefasst.
Das Projekt wurde bisher in den Ausstellungen „Superumbau”, Hoyerswerda und „Kunst und Konsum”, Infection Manifesto, Düsseldorf, vorgestellt.
“(...) Innerhalb dieser Shopping- Einrichtungen sind hohe Konzentrationen gesellschaftlichen Lebens gegeben, welche allerdings vollständig ökonomisiert ist. Das begegnet einem in unterschiedlichen Abstufungen und substituiert mehr oder weniger öffentlichen Raum, was wiederum die Entmischung vormals funtktional heterogener, sozialer Strukturen nach sich zieht.
Indem an diesen Orten nicht genehmigte Veranstaltungen durchgeführt werden, wird das Versprechen der Center, öffentlicher Raum zu sein, eingelöst, und der von den Betreibern benutzte Begriff des Urban-Entertainment umdefiniert. Gleichzeitig wird das hohe Mass an Repression deutlich, das diesen Orten nicht ohne weiteres anzumerken ist, in dem die Passanten zu Zeugen des Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die doch eher zurückhaltenden Auftritte werden. Die Musik war weder besonders laut noch aggressiv. Es wurde höchstens aufgrund des Eingreifens der Security-Leute so gesehen. Man kann also sagen, die Hausordnung ist die Provokation.”
Einleitungstext des Booklets zur CD mit 12 Songs
Kontakt: peter.waechtler@gmx.de
Mai
Rainer Warzecha präsentierte in einer kleinen Installation (Habitat) seine Arbeit mit dem Urelement 'Erde'.
Seit mehr als 15 Jahren bindet er Kinder und spätere Nutzer seiner Kunst in Gemeinschaftsprozesse ein, bei denen Unikate zum Anfassen, zum bewohnen und aktiven erleben entstehen.
Warzecha gehört damit zur 'Outsider' Strömung, die künstlerisches Schaffen als naturnahen Prozess im Dialog mit dem Ort begreift.
Im Britzer Garten findet sich als 'großformatige Referenz' sein
Gesamtkunstwerk 'Lehmdorf und Lehmlabyrinth', das im Frühjahr 2007 ebenfalls wieder seine Pforten öffnet. Fotos, Materialien und Medien zum Werk sind in der Ausstellung zu sehen.
(lat: habitare = wohnen, habitat= physischer (wohn)ort
Ein Habitat kann dabei durchaus aus mehreren Biotopen bestehen, während ein Biotop mehrere Habitate bereitstellen kann. Umfasst der gesamte Lebensraum eines Individuums bzw. einer Population mehrere unterschiedlich strukturierte Gebiete, so wird von komplementären Habitaten gesprochen. Dies ist vor allem bei mobilen, wandernden Arten wie Fischen oder Zugvögeln der Fall. Habitate erfüllen Funktionen wie etwa die der Nahrungsaufnahme, der Fortpflanzung oder des Rückzugs (siehe auch: 'ökologische Nische')
www.gruen-berlin.de/britz/SpielenUndLernen/makunaima.php
Kontakt: rainerwarzecha@interglotz.de
Juni
Im Juni präsentierte Marcus Ahlers eine skulpturelle Installation, die philosophische und praktische Aspekte der menschlichen Existenz erkundet. Die Installation integriert weitreichende Faktoren unserer Umgebung: von der molekularen Struktur von Wasser bis zu innovativen Architekturen. Dies ist Teil einer fortlaufenden Erforschung von Parallelen zwischen dem Mikro- und Makrokosmos und deren Relevanz für unsere alltägliche Umgebung. Wasser und Energie dienen als Ausgangspunkt für diese offene Forschung.
Kontakt: marcus.ahlers@googlemail.com
Juli

Die Grafischen Benutzeroberflächen aktueller Betriebssysteme scheinen nicht nur «die Art und Weise zu verändern», in der man seinen Computer verwendet (Pressetext Apple OS X), sie verfolgen auch immer weniger das Ziel, eine adäquate Entsprechung und damit eine vermittelnde Position für eine tatsächliche Funktionalität des Computers finden zu wollen — eine individuelle Benutzererfahrung, ein «völlig neuartiges und bahnbrechendes Computererlebnis» (Pressemitteilung Windows Vista), eine größtmögliche Erzeugung von Realität und eine festgeschriebene Mediennutzung scheinen mit den aktuellen Betriebssystemen an deren Stelle zu treten.
johannes p osterhoff hinterfragt diese inzwischen äußerst farbenfrohe visuelle Benutzeroberfläche und zeigt, dass sich mit dem inzwischen vorhandenen Mehr an Information ganze Bilder malen lassen.
Die Projekte «Aqua» und «Aero» sind zwei Bilderserien, deren großformatige Drucke ausschließlich aus Fragmenten aktueller grafischer Benutzeroberflächen bestehen — die Bilder der Serie «Aqua» bestehen aus der Oberfläche des aktuellen Apple-Betriebssystems, die andere Serie «Aero» aus Elementen des neuen Windows Vista. Der Betrachter findet so Elemente wie Bildlaufleisten und Knöpfe zum Schließen von Fenster usw. in einem gänzlich ungewohnten Kontext wieder.
Die Anfänge der Serie «Aqua» wurden auf dem European Media Art Festival 2006 ausgestellt, weitere Bilder in der «Galereya ABC» in Moskau. Die Serie «Aero» wird erstmals in der Galerie 35 gezeigt.
johannes p osterhoff, geboren 1980 in Reutlingen, studierte Kommunikationsdesign an der Merz Akademie in Stuttgart und European Media an der University of Portsmouth. Zur Zeit lebt und arbeitet er als Freier Künstler in Berlin und ist Gastdozent an der Merz Akademie für Interface-Theorie.
Weitere Informationen finden Sie auf
http://johannes-p-osterhoff.com
FOTOGRAF
September

Hynek Alt: Photographer. First name Last name: Occupation. Business card, self-identification, self-fashioning. In the case of photography we should better say: self-portrait. In the case of Hynek Alt, the photographer, we should better say: a video of a stranger.
Hynek Alt: Photographer. Author: Title. Signature, self-affirmation, self-expression. As well as a double distance: the photographer Hynek Alt portrays the Photographer by the moving image of a stranger. Perhaps this is his good-bye to photography (we can define something only when it's brought to a close – Hynek Alt: Photographer).
Perhaps an image of the Photographer can be made only after the borders of photography are crossed over and the medium is perceived >from the outside, by means of the moving image for example. Yet it would be trivializing to conceive of photography as static. Here we are dealing rather with its very border – we potter on it. It is the same purposeless drifting around on the margins, which Hackenschmied portrayed in his Aimless Walk, a filmic portrait of the photographic gesture. Alt's approach is minimalist: he compresses the situation by setting it into a studio; he encircles the Photographer in a minimal space and so forces him to reveal what is essential about him: the aimless walk is reduced to hesitant pottering (the smallest model of this movement is visual scanning).
The essence of the Photographer is his gesture: the flickering attention, probing touches, drawing near and away. Flusser describes photographic gesture's salutatory searching as the "phenomenological doubt," which tries to get close to phenomena by constantly changing viewpoints. "The photographer doubts, yet his doubts are of different nature than scientific, religious, or existential doubts. It is a new kind of a doubt, in which hesitations and decisions are ground into pieces – it is a quantifying, atomizing doubt." The photographer does not assume one exclusive viewpoint, but takes as many of them as possible (the shutter is constantly clicking). What kind of attitude is this, what kind of place does he assume?
At the still point of the turning world. Neither flesh nor fleshless;
Neither from nor towards; at the still point, there the dance is,
But neither arrest nor movement. And do not call it fixity,
Where past and future are gathered.
Neither movement from nor towards,
Neither ascent nor decline. Except for the point, the still point,
There would be no dance, and there is only the dance.
I can only say, there we have been: but cannot say where.
And I cannot say, how long, for that is to place it in time.
(T.S. Eliot, Four Quartets)
The photographic gesture is often compared to the lurking gesture of a hunter. It is, however, beyond the categories of the active and the passive since the photographer and the camera are united into a single indivisible function. As Jean-Luc Godard says in his self-portrait, the artist is not as much a creator or a producer as a receiver: "the camera, for me, cannot be a rifle, since it is not an instrument that sends out but an instrument that receives." The self-portrait, then, should not show the artist himself but rather that which he perceives: not what he makes of film or photography but what these media make of him.
We can see what Hynek Alt's images show to us. What is it his Photographer sees? Hynek Alt: Photographer, of course. One can see oneself only as an image.
Text: Tomás Dvorák
Oktober









FotoGen
Eine Ausstellung über die Macht der Ausstellung.
In der Zeit vom 05. bis zum 27. Oktober fand in der Galerie35 die sich selbstproduzierende Ausstellung „FotoGen” statt. Passanten wurden Teil der Ausstellung, in dem sie ihr Porträt an einem der Ausstellungstermine aufnehmen liessen, oder sie waren Kurator und wählten eins der aufgenommen Porträts zur Aufhängung aus.
In seinem Buch „Der ästhetische Imperativ“ schreibt Peter Sloterdijk:
„Das Herstellen von Kunst dreht sich um ein Ausstellen von Kunst, die sich um ein Herstellen von Ausstellungen dreht. Der moderne Kunstvermittlungsapparat hat sich als Vorzeigemaschine installiert, die längst mächtiger ist als jedes einzelne auszustellende Werk. Der Prozess der Ausstellungsherstellung mit seinem merkantilen Kern und seinen publizistischen Flanken ist autonom geworden. Er rast selbstläufig über seine Exponatmassen hinweg und zeigt in letzter Instanz keine andere Werkmacht mehr als die seine. ... Sicher ist nur: Kein Bild kann noch so viel bedeuten wie der wiederverwendbare Haken, an dem es vorübergehend hängt.”
Es macht also keinen Sinn mehr, irgendwelche Kunstwerke auszustellen, da der Grundgedanke der Freiheit der Kunst von vornherein durch den Machtanspruch der Ausstellungsmaschinerie erstickt wird. Folglich ist die einzige Möglichkeit des Kunstwerkes sich aus diesem Würgegriff zu befreien, eine Meuterei anzuzetteln und die Ausstellung an sich zum Kunstwerk zu erklären. Die Ausstellung wird zur Mutter aller Kunstwerke erhoben und produziert sich fortan selbst. Mit ihrer Vollendung endet sie und wird wieder abgebaut. Die elitäre Rolle des Kurators wird an den Besucher übergeben. Die Kunst wird demokratisiert.
2-wöchige Aktion im November
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (kurz: AK Vorrat) ist ein Zusammenschluß von Juristen, Journalisten, Bürgerrechtlern und ganz normalen Menschen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die anstehenden Neuregelungen der Telekommunikationsüberwachung zu verhindern.
Der AK Vorrat wird von der festen Überzeugung getragen, daß in einer aufgeklärten Demokratie das Primat der Freiheit zu gelten habe. Sein Ziel ist also eine breite gesellschaftliche Debatte über Werte und Normen der deutschen, aber auch der europäischen Demokratie.
Zur Zeit (Stand: 01.10.2007) unterstützen über 50 Bürger- und Menschenrechtsorganisationen und Verbände unsere
„Gemeinsame Erklärung zum Gesetzentwurf über die Vorratsdatenspeicherung”, die im Internet unter
http://www.vorratsdatenspeicherung.de zu finden ist.
Kontakt:mail@galerie35.de
Dezember

Seit Anfang der 90er Jahre sammelt Saldjan Nedeljkovic Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften.
In den letzten paar Jahren sind auch die vom Internet herunter geladenen Bilder dazugekommen, die nach Begriffen in Ordnern abgelegt werden. Mittlerweile ist so etwas wie ein Bild-Archiv entstanden.
Von dieser Bildersammlung ausgehend, präsentierte der Künstler eine installative Arbeit.